#Tanz-Geschichte Nr°9: Jazz Dance (Teil 2)

Beschäftigt man sich mit der Entwicklungsgeschichte eines Tanzstils, so stößt man immer auf Menschen, die den Tanzstil durch ihr Talent sowie durch ihre persönliche Note und außergewöhnliche Hingabe nachhaltig prägten. Auch im Jazz Dance, einem Tanzstil, der sich stets weiterentwickelt hat und auf den vielfältige Kulturen ihren Einfluss genommen haben, gibt es diese besonderen Persönlichkeiten, die das heutige Verständnis von Jazz Dance maßgeblich mitgestaltet haben.


Beginnen wir mit Eugene Luis Facciuto (besser bekannt als Luigi), einem Mann, der das Tanzen genauso geprägt hat, wie das Tanzen ihn selbst.

Facciuto entdeckte seine Freude für das Tanzen schon im Kindesalter, doch damals wagte noch keiner daran zu glauben, welchen Einfluss er auf die weltweite Tanzgeschichte haben würde. Doch zunächst, läuft Facciuto’s Leben alles andere als geplant. Der Sohn einer 13-köpfigen Familie erlitt nämlich im zarten Alter von 21 Jahren einen schweren Autounfall, der ihn anschließend für zwei Monate ins Koma versetzt. Die Auswirkungen des Unfalls waren fatal: seine rechte Körper- sowie seine linke Gesichtshälfte waren gelähmt und seine behandelnden Ärzt*innen sahen keine Chance darin, dass Facciuto je wieder gehen könnte. Doch das wollte er gar nicht, er wollte tanzen. Entgegen jeglicher Erwartungen schaffte er es schließlich drei Jahre nach seinem Unfall, seinen Körper so zu kontrollieren und bewegen zu können, dass er als Teil von Tanz-Ensembles in Hollywood-Filmen mitgewirkt hat. Das Geheimnis seiner gelungenen Rehabilitation lag in seiner perfektionierten Dehnungs-, Atmungs- und Bewegungsroutine, welche auch andere Tänzer*innen beeindruckte und dazu veranlasste, sich ihm anzuschließen: Die „Luigi-Technik“ war geboren. Die „Luigi-Technik“ erfuhr derart großen Zuspruch, dass sie weltweit als die erste Standardtechnik für den Jazz Dance-Unterricht eingesetzt wurde und bis heute von Jazz-Tänzer*innen dieser Welt gerne genutzt wird.


Kommen wir nun zur nächsten Persönlichkeit, die etwas erreicht hat, von dem die meisten Menschen nur träumen können: Er hat in einem Jahr (1973) für unterschiedliche Werke einen Oscar, zwei Tony Awards und noch dazu drei Emmys verliehen bekommen! Aber wer ist dieses musikalische Genie? Die Rede ist von Robert Louis Fosse, besser bekannt als Bob Fosse. Mit einer Mutter als Unterhaltungskünstlerin im Theater, war er von Anfang an bereits sehr vertraut mit dieser Materie und interessierte sich schon als Kind für das Tanzen und Schauspielern. Er schaffte es, als Tänzer am Broadway zu arbeiten und fing zudem auch an, immer mehr selbst zu choreografieren. Seine durchaus aufreizenden Choreografien stachen unweigerlich aus der Masse heraus und kennzeichneten sich durch die unzähligen Details in den Bewegungen, für die er auch Begriffe erfand (z.B. „Slow Burn“, „Soft Boiled Egg Hands“, etc.). Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er mit seiner Arbeit als Regisseur und Choreograf bei dem Erfolgs-Musical „Chicago“ und seiner Funktion als Regisseur für „Cabaret". Mit seinen neuartigen Tänzen bzw. Tanzbewegungen beeinflusste er die Tanzwelt maßgeblich und inspirierte u.a. auch Choreografien von Michael Jackson oder Beyoncé. Eines ist also klar: Wer Jazz Dance sagt, muss auch Bob Fosse sagen.


Die dritte Persönlichkeit hat es geschafft, die Welt des Jazz Dance in hohem Maße zu beeinflussen, obwohl sie per sé nie als Jazz-Tänzerin galt: Katherine Dunham. Dunham begeisterte sich von klein auf für die Welt des Tanzes und des Theaters. Das führte dazu, dass sie selbst den Wunsch hegte, das Tanzen zu ihrem Beruf zu machen. Nachdem sie ihr Studium der Anthropologie abschloss, gründete die begnadete Tänzerin, die zu dieser Zeit schon in renommierten (Tanz-)Shows aufgetreten ist, 1931 schließlich ihre eigene Tanzschule. In ihrer Arbeit als Tänzerin und Choreografin entwickelte sie ihre eigene Technik, die „Dunham-Technik“, welche u.a. afro-karibische Einflüsse sowie Einflüsse des klassischen Balletts vorweisen. Ihr Stil wird besonders durch einen lockeren Oberkörper, ein starkes Becken und isolierte Bewegungen gekennzeichnet. Dunham engagierte sich Zeit ihres Lebens auch immer wieder für die Gleichberechtigung aller Menschen und sprach sich (u.a. mit ihren Choreografien) gegen die Rassentrennung aus. Ihr großes Ziel war es bis zuletzt, kulturelle Barrieren durch gemeinsames Tanzen und vielfältige Choreografien abzubauen.

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