#Tanz-Geschichte Nr°4: Musical (Teil 2)

Musicals sind in ihrer Darbietung so vielfältig, wie die Menschen, die sie sehen. Sie führen ihre Zuseher*innen in neue Welten, lassen sie die Realität für kurze Zeit vergessen und wecken die unterschiedlichsten Emotionen in ihnen. In den USA ist die Liebe zu Musicals sogar so groß, dass jedes Jahr die sogenannten „Tony Awards“ an die besten Musicals und Theater des New Yorker Broadways verliehen werden.


Unabhängig von ihren Auszeichnungen und kommerziellen Erfolgen, möchte ich nun fünf Musicals vorstellen, die es über Jahrzehnte (!) geschafft haben (und auch heute noch schaffen), weltweit Menschen mit ihrer Geschichte und Inszenierung zu begeistern.


1. Cats – Sir Andrew Llyod Webber (Premiere: 1981)


Mit dem Musical „Cats“, welches auf den Gedichten von T.S. Eliot („Old Possum’s Book of Practical Cats“) basiert, schuf Webber ein wahres Meisterwerk. Bis heute, 40 Jahre nach der Uraufführung des Stückes, besticht das Musical durch seine eingängigen sowie zeitlosen Melodien und exzellenten tänzerischen Darbietungen. Außergewöhnlich, besonders für damalige Zeiten, war auch die detailverliebte Gestaltung der Kostüme der Darsteller*innen.


Bei „Cats“ dreht sich alles, wie der Name bereits vermuten lässt, um das Leben verschiedenster Katzen. Alle Katzen von nah und fern treffen sich in London zur alljährlichen Katzenversammlung: dem „Jellicle Ball“. Bei dieser Versammlung gilt es sich von seiner besten Seite zu zeigen und einen guten Eindruck auf das betagte Katzen-Oberhaupt Old Deuteronomy zu machen, denn dieser entscheidet, welche der Katzen wiedergeboren wird und damit die Chance auf ein neues Leben erhält. Schlüsselfigur des Musicals ist Grizabella, die "Glamour-Katze". Zumindest war sie das früher einmal, doch das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, daher ist die Katze meist allein und deprimiert und trauert ihrem früheren Leben nach („Memory“). Das Stück endet damit, dass Old Deuteronomy schlussendlich Grizabella dazu auserwählt, ein neues Leben anfangen zu dürfen.



2. König der Löwen – Elton John & Tim Rice (Premiere: 1997)


Auch bei diesem Musical verkörpern die Darsteller*innen ausschließlich Tiere, schaffen dabei jedoch eine völlig andere Atmosphäre. „König der Löwen“ zieht Groß und Klein von Beginn an unaufhörlich in seinen Bann und bleibt mit seiner emotionalen Geschichte und den unverkennbaren Liedern lange im Gedächtnis. Darüber hinaus stechen die grandiose Umsetzung und Inszenierung des Kostüm- und Maskenbilds sofort hervor.


Das Musical erzählt die Geschichte von Simba, einem Löwenjungen, der es seinem Vater Mufasa nachtun und König des Tierreichs sein möchte. Im Prozess des Erwachsenwerdens muss Simba allerdings erst lernen, dass das Leben einige Hindernisse für ihn bereithält. Den ersten dramatischen Höhepunkt erreicht das Musical mit dem Tod von Mufasa, welcher, in einer Rettungsaktion für Simba, von Scar, Mufasas rachsüchtigem Bruder, von einer Klippe gestürzt wird. Simba versinkt daraufhin in Schuldgefühlen, denen er sich am Ende jedoch stellt. Es kommt schlussendlich zu einem Kampf zwischen ihm und Scar, den Scar mit seinem Leben bezahlt. Simba wird daraufhin zum „König der Löwen“ ernannt.




3. West Side Story - Leonard Bernstein (Premiere: 1957)


Mit "West Side Story" interpretiert Bernstein Shakespeare's weltbekannte Geschichte "Romeo und Julia" neu. Die tragische Liebesgeschichte wird ins Manhattan der 50-er Jahre adaptiert und zeigt neben viel Romantik auch die Misstände der zerrüttelten Gesellschaft auf. Ein wahres Meisterwerk, welches nur selten ein Auge trocken lässt.


Im Musical stehen befinden sich die zwei Jugend-Banden der "Sharks" (puerto-ricanische Einwohner) und der "Jets" (Einheimische) in einer permanenten Rivalität. Der männliche Hauptprotagonist und einstiger Gründer der "Jets", Tony, hat diesen Zustand satt und möchte damit abschließen, doch er wird von seinem besten Freund Riff, selbst Gründungsmitglied der "Jets", immer wieder in deren schmutzige Angelegenheiten hineingezogen. Als Tony auf einer Party zufällig Maria kennenlernt, deren Bruder der Bandenanführer der "Sharks" ist, ist die Tragödie perfekt. Die beiden verlieben sich sofort ineinander und wollen zu zweit ganz neu anfangen, doch als es in einer Nacht zu einem blutigen Straßenkampf zwischen den zwei Banden kommt, sieht sich Tony dazu gezwungen, dazwischen zu gehen. Er muss dabei mitansehen, wie Maria's Bruder Bernardo Riff ersticht. Von Rache-Gefühlen erfasst, tötet Tony daraufhin Bernardo und flüchtet. Lange hält er es jedoch nicht ohne Maria aus und sie beschließen sich zu treffen. Dabei wird er allerdings von den "Sharks" reingelegt und vor den Augen seiner Geliebten umgebracht.





4. Chicago – John Kander & Fred Ebb (Premiere: 1975)


Mit „Chicago“ eröffnen Kander und Ebb den Zuseher*innen eine ganz neue und vor allem eine alles andere als perfekte Welt. Das Musical, das ebenso wie „Hamilton“ auf wahren Begebenheiten basiert, entführt einen in das Amerika der 20-er Jahre und verzaubert einen einerseits durch die eingängigen Lieder, aber auch durch die emanzipatorischen Frauencharaktere in eine ganz besondere Atmosphäre.


„Chicago“ erzählt die Geschichte der Tänzerin Roxie Hart, die durch den Mord an ihren Liebhaber ins Gefängnis kommt. Dort trifft sie auf weitere „mordslustige“ Frauen, unter anderem ihre ehrgeizige Zellengenossin Velma Kelly, mit der sie die Passion für das Tanzen teilt. Durch den Tipp von „Gefängnismama“ Matron Morton, kommt Roxie an den Star-Anwalt Billy Flnn ran, der schließlich ihren Prozess gewinnt und für sie den Weg zurück in die Freiheit ebnet. Auch Velma kommt aus dem Gefängnis und das Musical endet damit, dass die beiden Frauen als Jazz-Sängerinnen gemeinsame Erfolge feiern.





5. Les Miserablés – Claude-Michel Schönberg & Alain Boublil (Premiere: 1980)


Das Musical, dessen Geschichte auf dem Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo basiert, eröffnet ein Feuerwerk, das vor lauter dramatischen Ereignissen kaum zu überbieten scheint. Die herzzerreißende Handlung, gepaart mit der meisterhaft umgesetzten musikalischen Begleitung, lässt wohl die wenigsten der Zuseher*innen unberührt.


„Les Miserablés“ spielt im Frankreich des 19. Jahrhunderts: Die Armen haben nichts, die Reichen nicht genug. Die zentralen Rollen des Stücks sind Jean Valjean, ein Häftling, der unter widrigsten Bedingungen Strafdienst leisten muss und Javert, Oberaufseher der Sträflingsbrigade und, wie sich in später herausstellt, Jean Valjean‘s größter Feind. Valjean schafft es eines glücklichen Tages zu flüchten und kann sich unter falschem Namen eine neue Identität aufbauen. Doch die neugewonnene Sicherheit soll nicht ewig währen, denn die beiden befeindeten Männer begegnen sich wieder und Valjean muss erneut flüchten. Inzwischen hat Valjean jedoch eine Ziehtochter, Cosette, die ihn auf der Flucht begleitet. Das Musical endet, wie soll es anders sein, nach einer dramatischen letzten Begegnung zwischen Javert und Valjean mit dem Freitod des vom Leben überforderten Javert’s. Valjean, nun endgültig ein freier Mann, sieht ebenso seine Tage gezählt und stirbt schließlich in den Armen von Cosette.




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